Gender - oder: wie man es nicht macht.

Sep 07 2014

Mir ist kürzlich mal wieder aufgefallen, wie ausgefallen die deutsche Sprache hinsichtlich der "Genderisierung" ist. Ich kenne keine andere Sprache, ja: kein anderes Land, in dem jedes noch so kleine Wörtchen zu einer Wörtchenin umgebaut wird, nur um zu verdeutlichen, dass es ja auch weibliche Personen, Entschuldigung, Personinnen, geben könnte.

Dieser Wahn, aus per Definition geschlechtslosen Wörtern wie "Doktor" oder "Bundeskanzler" eine Feminisierung herauszuquetschen - muss das wirklich sein? Gerade der Doktortitel ist doch das beste Beispiel dafür, dass das genau der falsche Weg ist.

Früher, noch vor etwa 40 Jahren, war es nicht gerade an der Tagesordnung, dass eine Frau promovierte. Nicht nur, weil es ungewöhnlich war, sondern auch, weil ihr seitens der bereits promovierten und habilitierten Bevölkerungsschicht gerne mal der ein oder andere Stein in den Weg gelegt wurde. Wenn sie es jedoch geschafft hat, trug sie mit Stolz den Titel "Doktor" - und niemand wäre auch nur auf die Idee gekommen, da ein "-in" dranzusetzen.
Heute wird das jedoch gerne gemacht, "Gleichberechtigung" und so. Aber was passiert dabei wirklich? Hier wird genau diese Gleichberechtigung verhindert, indem ein neuer Titel geschaffen wird, der es der frisch Promovierten wiederum versagt, den gleichen Titel zu erreichen, wie die Herren der Schöpfung. Zum geschlechtsneutralen Titel wird ein femininer Titel dazuerfunden. Grammatikalisch ist dieser Titel nicht nötig - wodurch er inhaltlich ad absurbum geführt wird, da es jetzt für Frauen zwei Titel gibt, die eben nicht gleich oder gleichwertig sind. Es wird ihr mit dieser Anrede die Leistung aberkannt, die sie erbracht hat - sie ist nicht "gut genug" für einen Doktor.

Werte Damen dort draußen: Ich hoffe ihr stört euch nicht an "Frau Doktor" oder "Frau Bundeskanzler", denn bevor ich entscheiden muss, ob ich jetzt vor einem Computer oder einer Computerin sitze, und diesem dabei womöglich noch auf die Füße trete, weil er glaubt, er wäre genau das andere - bevor ich mich hier auf so dünnes Eis wage, wahre ich lieber die grammatikalisch korrekte Form und ignoriere den Trend, alles zu verweiblichen.