kyoshiros

Gedanken über die Welt

Awareness Lies Within

Apr 162019

Now it's official: I'm not human.

How I know? I tried to buy new glasses today. The exact same model I already have, just with adapted lenses (and without damaged coating). The guy in the shop started to laugh and said, no human ever would want that, and that the glasses I'm wearing are "out" and he wouldn't want to sell me such outdated things. New glasses for that old model? Yes, we can do that, but you'll be two weeks without them.

Don't take me wrong, I do actively embrace change. I try to change everything - until I am satisfied. I'm constantly revising my style of coding, rearranging stuff in my flat, changing recipes in order to find the ideal fit. But why change something I'm absolutely satisfied with? Just for the purpose of change? My current model of glasses is perfect. It's made out of thin, unobtrusive black metal. It's almost invisible beneath my black hair, it's lightweight but not too light - and it fits. Why bother settling for something less elegant, something that doesn't have this perfect fit? Why bother to go on an endless quest to find something equally perfect, when some idiot fashionists decided: oh, that doesn't look good anymore, nobody wants that?

Arturo Brachetti held a whole TED talk on the topic "life is change", and I agree with him: without change, individuals can't evolve. And nature, left alone, is in a constant flow of change, everything influencing each other. But there's always a but, and sometimes, it's a big but: humans also need structure, need things that do not change. Structure gives them (remember, I was made inhuman...) safety, and with safety comes the ability to focus. A person who feels safe, who is sure about "I will survive the next day" - such a person can strive for excellence, can focus on their major trait, and change, experiment, improve.

Our whole world is built on change. Everyone embraces change, in one way or another. One follows the latest fashion, another one hunts new and improved gadgets - another person keeps learning about new techniques in arts and music. Noone stays stagnant in every aspect of his or her life, and when I say noone, I literally mean: not a single living human on earth.

At the same time, everyone keeps to their habits in other areas. Be it wearing the same outfit for years and years on, not being able to cope with the latest technology, or watching the Harry Potter movies for the 512th time. Because those habits, they aren't "ticks", they aren't "strangeness", and they most certainly aren't "un-human" or "defects". Those habits are what keep us safe - what keep us "us".

So, if you "love change" - look out for the things you never change, be aware of your anchors. If you "love steadiness" - look out for the things you play with, you experiment with. Don't judge others by your own standards - but take an interest in theirs. Be aware!

Bildungsplan 2015: LSBTTIQ

Jan 102014

Schon gehört? Baden-Württemberg redet. Und zwar über "LSBTTIQ". Aha. Äh... hä? Wie spricht man das aus, und - was soll das überhaupt darstellen?

Einmal kurz google bemüht, und schon ist man um eine Information reicher: LSBTTIQ ist das, was früher mal "SchLuB" war. Wir erinnern uns: Schwule, Lesben und Bisexuelle. Da es nun wesentlich mehr sexuell unterschiedlich bezeichnete Gruppierungen gibt, dachte sich vermutlich ein Mitglied des legendären "KAN - Komitee für absurde Neologismen" (Sitz: Tief unten im abgeschiedensten Kohlestollen des Ruhrgebiets, weitab von jeder Vernunft und jedem Sauerstoffs): "Da müss mer was machen..." - und so ward LSBTTIQ geschaffen, das unaussprechliche Akronym für "lesbisch-schwul-bisexuell-transsexuell-transgender-intersexuell-queer. Ähem?! Also mal abgesehen, dass "queer" lediglich das weniger beleidigende "gay", also eine Übersetzung des Wortes "schwul" ins Englische ist, und "transgender" wie eine Ebensolche für "transsexuell" anmutet - what the fuck?! Mal ehrlich, wer braucht das denn? Also, dieses Kunstunwort, meine ich... das klingt so, als würde jemand mit aller Gewalt versuchen, jede halbwegs ernstzunehmende Abspaltung der katholischen Kirche in einem Akronym zu nennen.

Aber klar: "nicht heterosexuell", die einfachste Form dieses Konstrukts, ist wohl zu diskriminierend. Denn das würde bedeuten, dass heterosexuell "normal" sei. Was impliziert, dass alles andere genau das nicht ist. (Die wörtliche Übersetzung von "queer" ist übrigens "sonderbar"...) Also gut, der Pseudotoleranz sei Dank müssen wir uns jetzt mit unaussprechlichen Abkürzungen wie LSBTTIQ - Lesbtich? - herumplagen, ist nicht mehr zu ändern. Hoffen wir einfach, dass es nur ein/e Mod/e ist, der/die schnell wieder vergeht. Schliesslich kann nicht jede/r Formulierung/in [sic!] glücklich sein, und diese/r unsägliche Brauch/in des/der Doppelnennung/s ist ja mittlerweile auch schon wieder recht weit abgeebbt. Nach diesem/r Exkurs/in (okay, ich hör ja schon wieder auf damit...) also zurück zum eigentlichen Thema:

Baden-Württemberg redet. Und petitiert. Hin. Und wieder her. Dabei geht es im Kern darum, das Bewusstsein für LSB... - Ell-ess-beh-ti-tie-kuh? - in den Schulen zu fördern, und so die "Toleranzdiskussion" langfristig hinfällig zu machen. So hat ein Realschullehrer eine Petition mit dem klangvollen Namen "Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens" gestartet. Mal abgesehen davon, dass "die Ideologie des Regenbogens" viel besser klingt, als LSBTTIQ - vielleicht Lisbeth-IQ? - argumentiert er dabei vor allem sehr "individuell". So interpretiert er in eine Studie des RKI eine "auffällig hohe HIV-Infektionsrate" hinein. Die Studie selbst sagt dazu: "Schätzungsweise sind in den meisten west europäischen Ländern 15 – 30 % der HIV-Infektionen noch nicht diagnostiziert. Da unter homosexuellen Männern der Anteil der getesteten Personen jedoch relativ hoch ist und viele sich auch wiederholt testen lassen, dürfte der Anteil der noch nicht diagnostizierten Infektionen in dieser Gruppe niedriger liegen." Aha. Zu Deutscha also: Wo mehr getestet wird, gibt es auch mehr Treffer.
Im Zuge einer Frage zur Ethik schreibt der Petiteur: "Die Eckpunkte einer neuen Sexualethik meinen [...] eine Infragestellung der heterosexuellen Geschlechter von Mann und Frau." An dieser Stelle stelle man sich eine Katze vor, die verwirrt blinzelt und nicht so recht versteht, was jetzt eigentlich los ist. Das dürfte in etwa meinem Gesichtsausdruck gleichkommen, als ich diesen Teil der Petition las. Aber es geht noch weiter: "Konkret wird dies zu einer problematischen Entwicklung in unserem Bundesland führen [...]. Lehrkräfte sollen die nächste Generation mit dem Anspruch, sämtliche LSBTTIQ-Lebensstile seien ohne ethische Beurteilung gleich erstrebenswert und der Ehe zwischen Mann und Frau gleichzustellen, an eine neue Sexualethik heranführen. Aus der gleichen Würde jedes Menschen folgt noch nicht, dass jedes Verhalten als gleich gut und sinnvoll anzusehen ist." Okay, soweit verstanden. Und wo ist jetzt die "problematische Entwicklung"?
Mein persönliches Lieblingsargument ist allerdings das folgende: "Zugleich ist das Hauptargument der LSBTTIQ-Akzeptanz-Kampagne die Reduktion der hohen Suizidgefährdung bei homosexuellen Jugendlichen. Es gibt aber keinen empirisch nachweisbaren Zusammenhang zwischen Suizidgefährdung und Diskriminierung" - nein? Aber ich wette darauf, dass es sowohl einen empirisch nachweisbaren Zusammenhang zwischen Diskriminierung und Depression gibt, als auch einen zwischen Depression und Suizidgefährdung. Keine Ahnung, wie ich darauf komme. Nur so ein Gefühl. Deswegen gebe ich auch keine Quelle an. Ist wegen dem Wort "empirisch" ja auch gar nicht nötig.

Aber auch die Gegenseite ist nicht ganz ohne, einen Kritikpunkt hätte ich auch da anzubringen: "Bei Schüler_innen ein Bewusstsein zu schaffen, wonach Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle und Intersexuelle (LSBTTI) nichts "Abnormales" sind, halte ich für wichtig und richtig." - Ists jemandem aufgefallen? Genau: Das Q fehlt. Ist dem Autor die Unsinnigkeit des redundanten Qs aufgefallen, oder schlägt hier etwa doch ein wenig... "Unverständnis" durch? Und wenn ersteres, warum dann noch zwei T?
So sehr ich allerdings auch suche, der Text der Petition ist einfach zu kurz, um weitere Stilblüten zu finden. Vermutlich liegt das auch daran, dass mir die Gegenpetition mehr liegt. So that's that...

Was passiert als nächstes? Wer gewinnt? Wer erfindet die nächste mit einem Konsonanten beginnende Sexualität? Und wie wird das daraus entstehende Akronym lauten? Und wer findet die nicht näher benannte empirische Studie?

Diese und alle weiteren Fragen werde ich hier vermutlich nicht beantworten. Aber man weiß ja nie - "wir warten mit angehaltenem Atem".

Die Hippie-Tüte oder: Werbung mal anders

Okt 082013

Ich sitz gerade neben einer Hippie-Tüte. So ein Plastik-Dings mein' ich, keine Drogen. Darauf sitzen zwei Hippie-Eltern mit ihren Hippie-Kindern in einem Hippie-Bus und darunter sind ganz viele Hippie-Kaffees und Hippie-Müslies und hippe Plastiktuben mit Ketchup abgebildet. In dieser Hippie-Welt ist irgendwie alles hip und hippie, selbst das grün-gelbe Gras.

"Rapunzel", sagt die Tüte. Rapunzel lässt ihr Haar herab, und ich denk mir so bei mir, dass Rapunzel wohl auch hip oder hippie sein muss. So lange Haare hat nicht jeder, und wenn es so fest ist, dass man raufklettern kann ist es wahrscheinlich total verfilzt und ungepflegt. Hippie eben.

Das sag ich ihr auch, und sie sagt: "Wir machen Bio aus Liebe." Und ich denk mir, so wie die auf dem Bild sitzen sollten die lieber keine Liebe machen. Weder um der Liebe noch um des Bios willen. Sie sollten einfach in ihren Bus einsteigen, und von der nächsten Klippe fahren. Leider ist im Hintergrund Wald, und das sieht gar nicht aus als wäre in der Nähe eine Klippe, aber das geht schon, irgendwie. Zur Not müssen sie den Bus eben auf eine Klippe raufschieben. In meinem Kopf verformen sich die Worte. "Wir machen Liebe aus Bio". Stell Dir mal vor: Ein Hippie, der ein Schwein tötet, um an ein Kondom zu kommen. Blödsinniger Gedanke. "Wir machen Liebe mit Bio". Ihhhhh.

Ich finde, Hippies sollten keine Liebe machen. Weder mit noch aus noch durch Bio. Dann vermehren sie sich auch nicht, und ich hab meine Ruhe von grausamen Plastikfetzen wie diesem.

(Das Bild auf der Tüte findet ihr übrigens hier.)

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